Natürliche Mittel gegen Erkältung bei Kindern. Was sagt die aktuelle Wissenschaft?
Naturheilmittel werden seit vielen Jahren gerade bei Erkältung erfolgreich eingesetzt und von vielen Eltern bevorzugt. Zur Unterstützung der Immunabwehr werden gerne Kräuter  eingenommen – auch wenn die Wissenslage in der Forschung bezüglich der Wirksamkeit unsicher ist.
Beispiele sind die pflanzlichen Extrakte von Echinacea, der nordamerikanische Sonnenhut und Umckaloabo. Diese Mittel gehören zu den fünf beliebtesten Medikamenten zur Abwehrsteigerung in Deutschland, obwohl die bisher durchgeführten Studien zur Wirkungskraft der Präparate keinen eindeutien Vorteil zeigen. Aktuell gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, dass Naturheilmittel bei Erkältung/Grippe wirklich (messbar) helfen:

Zink:
Oral verabreicht, kann bei Erkältungen helfen (NICHT eindeutig nachgewiesen). Das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät grundsätzlich davon ab, Kindern und Jugendlichen Nahrungsergänzungsmittel mit Zink zu geben.

Vitamin C:
kann Erkältungen nicht verhindern und hat nur einen sehr schwachen Einfluss auf die Dauer der Erkältung und die Ausprägung. In Studien in denen Patienten Vitamin C gleich nach dem Auftreten einer Erkältung eingenommen hatten, zeigte sich keine Besserung der Symptome.

Echinacin:
Die tatsächliche Wirkung von Echinacea gegen Erkältungen und die Vorbeugung von Erkältungen tatsächlich zu helfen, konnte bisher in Studien nicht eindeutig nachgewiesen werden. Auch die Anzahl der auftretenden Erkältungen konnte durch die Gabe von Echinacea nicht vermindert werden. Einzelne Forschungsberichte zeigen eine geringe Wirkung  von manchen Echinacea-Aufbereitungen bei der Behandlung von Erkältungen. Bezüglich der Wirkung bei Kindern wurden kaum Studien durchgeführt und die Ergebnisse sind sehr inkonsistent.

Honig – neue Erkenntnisse:
Aktuelle Studien zeigen keinen eindeutigen Nachweis, dass die Gabe von Honig bei Husten einen klaren Vorteil bringt. Eine Studie des Pennsylvania State University’s College of Medicine zufolge, fanden jedoch die Eltern (105 Kinder im Alter von 2 bis 18 Jahren), dass Honig besser wirkt, als Hustensaft bei Behandlung des nächtlichen Hustens. Auf keinen Fall sollten Babys bis zu einem Alter von 12 Monaten Honig bekommen, da Honig als Naturprodukt Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum aufweisen kann. Diese Sporen können Gifte entwickeln, die bei Babys den gefährlichen Säuglings-botulismus (Lebensmittelvergiftung) auslösen können.

Mein Kindergartenkind ist so oft erkältet, ist das normal?
Kleinkinder sind aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems besonders anfällig für Erkältungen. 7 bis 10 Erkrankungen pro Jahr gelten als normal. Bei dem Kontakt mit einem bislang unbekannten Virus ist das Immunsystem zunächst wehrlos, die Viren können sich ungehemmt ausbreiten und die typischen Symptome auslösen. Abwehrstoffe gegen die Erreger werden im Laufe der Erkrankung gebildet und das Kind wird immun gegen das entsprechende Virus.

Übertragung der Viren erfolgt durch:

– Sprechen oder Husten (Tröpfcheninfektion)
– Niesen
– Kontakt über Spielsachen, Taschentücher
– ungewaschene Hände. Bringen Sie so früh wie möglich Ihrem Kind das richtige Händewaschen bei – das ist die wirkungsvollste Prävention (Verhindern der Ansteckung).

Symptome – was hilft am besten?
Erste Erkältungszeichen sind meist eine juckende, brennende oder kribbelnde Nase. Meist gefolgt von wässrigem Schnupfen. Schnupfen tritt bei 80 % der erkrankten Kinder auf und ist damit das häufigste Krankheitszeichen eines grippalen Infekts.  Oft kommen Schluckbeschwerden, Kopf und Gliederschmerzen, sowie Fieber hinzu. Unwohlsein, schlechte Laune und Frieren sind weitere Begleiterscheinungen.

Folgende, unterstützende Maßnahmen sind hilfreich:
– Viel Trinken. Es verflüssigt den Schleim und lässt diesen leichter Abfließen.
– Feuchtigkeit in der Raumluft. Feuchte Tücher über die Heizung hängen – schont entzündete Schleimhäute.
– Ruhe und Schlaf tragen am schnellsten zur Erholung bei.
– Milch mit Honig helfen oft bei trockenem Husten (Achtung kein Honig bei Babys bis zu 12  Monaten!).
Fieber ist ein wichtiger Abwehrmechanismus des Körpers und sollte nur in Ausnahmefällen gesenkt werden.
– Die Einnahme von fiebersenkenden Mitteln ist erst ab einer Temperatur von 39° C ratsam, üblicherweise erhalten Kinder Paracetamol.

Wie unterscheidet man eine Erkältung von einer Grippe?
Der Unterschied zu einer Erkältung ist oft nicht so deutlich zu erkennen. Stark ansteigendes Fieber (39°C und höher), starke Erschöpfung, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Oft  treten auch Durchfall und Erbrechen auf.

Wann sollte man zum Kinderarzt?
Grundsätzlich dann, wenn Ihr Bauchgefühl sagt, dass es jetzt wohl nötig ist. Eltern spüren sehr wohl wenn es an der Zeit ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bitte um Vorsicht bei Elternforen im Internet – die Tipps immer hinterfragen und stets das Alter des Kindes mit angeben. Manche sogn. Hausmittel sind für Babys sogar gefährlich (z.B. ätherische Öle).

Gehen Sie zum Arzt, wenn:
– Das Fieber Ihres Kindes 39° Celsius erreicht.
– Ihr Kind sich absolut nicht erholt und nach fünf bis sieben Tagen keine Besserung eintritt
– Dauer der Erkältung mehr als 14 Tage
– Schnelle und keuchende Atmung
– Wenn es so wirkt, als müsse sich das Kind anstrengen zu Atmen (Anzeichen von Asthma, Lungenentzündung oder anderer Atemwegserkrankungen).
– Ohrenschmerzen äußert oder wenn Sie bei Babys  beobachten, wie es seine Ohren reibt oder an den Ohren zieht. Das kann ein Anzeichen einer Mittelohrentzündung sein.

Vorsorge
Gegen Schnupfenviren gibt es im Gegensatz zur echten Grippe gibt keine Impfung.
Die besten Vorsorge-Maßnahmen sind:
– ausgewogene und vitaminreiche Ernährung
– viel Bewegung an der frischen Luft (bei Wind und Wetter)
– sofortiges Entfernen von gebrauchten Taschentüchern
– regelmäßiges Händewaschen

Quellenangaben
https://nccih.nih.gov/heatlh/flu/indepth
http://www.cdc.gov/flu/school/
https://nccih.nih.gov/health/tips/flucold.htm
Arch Pediatr Adolesc Med. 2007 Dec;161(12):1140-6.